Artikel und Beiträge aus der Alternativen Medizin

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Heinrich Schütt

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Familienaufstellung in systemischer Sicht

Eine systemische Sichtweise auf die Rekonstruktion von Familien


Theorie und Methodik der Familienaufstellung gehen zurück auf die Mehrgenerationen-Perspektive der Familientherapie, auf die Methoden der Familienrekonstruktionsarbeit und vor allem das Stellen von Familienskulpturen.

In der Systemischen Therapie und Beratung werden die KundInnen als familiengeprägtes Wesen verstanden, dessen Entwicklungs- und Handlungsmöglichkeiten durch die Geschichte der vorhergehenden Generationen, durch überkommene Regeln, Muster und Loyalitäten stark mitbestimmt werden.

Das Stellen von Familienskulpturen sollen dem Einzelnen neue Bewertungsmöglichkeiten der Familiengeschichte und damit zusätzliche eigene Verhaltensmöglichkeiten eröffnen.

Die therapeutische Arbeit besteht darin, nicht die "wahre" Sicht zu ergründen, sondern den KlientInnen und ihrer Sichtweise mit empathischer Sensibilität und Respekt zu begegnen, ihre Autonomie zu achten, sowie Vielfalt und eine Erweiterung von Handlungsoptionen auf Seiten der KlientInnen zu fördern.

Diese Sichtweise ist integraler Bestandteil der Systemischen Therapie und Beratung.

Familienaufstellungen können als eine Methode innerhalb der Systemischen Therapie eingesetzt werden, wenn systemische Grundprinzipien gewahrt bleiben, beispielsweise- die Neutralität und Allparteilichkeit gegenüber Personen und Ideen,

- das therapeutische Postulat, die Wahlmöglichkeit der KlientInnen zu erhöhen,

- und das therapeutische Selbstverständnis, dass die Klientin oder der Klient jeweils Fachfrau oder Fachmann für die eigenen Ziele ist und die TherapeutIn sich darauf beschränkt, gute Bedingungen für neue Lösungsmöglichkeiten zu schaffen,

- wenn zudem Aussagen von "Stellvertretern" und Therapeuten als Hypothesen gewertet werden und den KlientInnen jederzeit die Möglichkeit belassen wird, sie als momentan nicht nützlich zu verwerfen,

- oder wenn Familienaufstellungen in einen längeren Prozess von Systemischer Therapie und Beratung eingebettet sind und nur einen Bestandteil eines therapeutischen/beraterischen Prozesses darstellen.

TherapeutInnen, die Familienaufstellungen unter den genannten Prämissen in ihrer Arbeit nutzen, erhalten die Unterstützung der deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) und der Systemischen Gesellschaft (SG).

Potsdammer Eklärung der Systemischen Gesellschaft zur Bert Hellinger:


Potsdamer Erklärung der Systemischen Gesellschaft zur Aufstellungsarbeit

Die Arbeit mit szenischen Darstellungen und Aufstellungen hat in der Familientherapie und der systemischen Therapie eine lange Tradition. Sie wurzelt unter anderm in therapeutischen Techniken, wie sie in der Familienskulpturarbeit oder im Psychodrama entwickelt wurden.
In der von Bert Hellinger praktizierten Form ist sie in breiteren Kreisen als jemals zuvor bekannt geworden. Bedauerlicherweise hat sich Hellinger dabei immer mehr von der originär systemischen Arbeit entfernt. Hellingers Verdienst bleibt es, dazu beigetragen zu haben, die Aufstellungsarbeit zu verdichten. Vor allem was die mögliche Auflösung von Verstrickungsdynamiken anbetrifft, hat er neue und innovative Vorgehensweisen entwickelt.
Heute sehen wir jedoch den Punkt gekommen, an dem nicht nur wesentliche Teile der Praxis von Bert Hellinger - und vieler seiner Anhänger -, sondern auch viele seiner Aussagen und Vorgehensweisen explizit als unvereinbar mit grundlegenden Prämissen systemischer Therapie anzusehen sind, etwa
- die Vernachlässigung von Auftragsklärung und Anliegenorientierung,
- die Verwendung mystifizierender und selbstimmunisierender Beschreibungen („etwas Größeres", „in den Dienst genommen" u.ä.),
- die Nutzung uneingeschränkt generalisierter Formulierungen und dogmatischer Deutungen („immer, wenn", „schlimme Wirkung", „mit dem Tode bestraft", „der einzige Weg", „das Recht verwirkt" u.ä.),
- der Einsatz potentiell demütigender Interventionen und Unterwerfungsrituale,
- die angeblich zwingende Verknüpfung der Interventionen mit bestimmten Formen des Menschen- und Weltbildes (etwa in Bezug auf Genderfragen, Elternschaft, Binationalität u.a.),
- die Vorstellung, über eine Wahrheit verfügen zu können, an der eine Person mehr teilhaftig ist als eine andere. Dies führt zu der Verwendung verabsolutierender Beschreibungsformen und impliziert, dass keine partnerschaftliche Kooperationsbeziehung angestrebt wird.
Im Gegensatz dazu beziehen wir uns auf viele Beispiele und Ausdifferenzierungen von Aufstellungsarbeit, die im Rahmen eines systemisch-konstruktivistischen Therapieverständnisses und vor dem Hintergrund einer tragfähigen und verantwortlichen therapeutischen Beziehung durchgeführt wird.
Wir verstehen diese als konstruktive Versuche, dieses bereits bewährte therapeutische Werkzeug weiter zu entwickeln und auch, es zunehmend mehr wissenschaftlicher Überprüfung zu unterziehen.
Insofern wehren wir uns auch gegen undifferenzierte Kritik an dieser Form von Praxis. Aufstellungsarbeit „jenseits von Hellinger" sollte sich als therapeutisches Instrument weiterentwickeln, doch die enge Verbindung mit seinem Namen ist heute nicht mehr aufrechtzuerhalten.

http://www.systemische-gesellschaft.de/presse.php?y=2&mod=single&pfi_id=24

 

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